Einheit in Verschiedenheit

Una cum (…) omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolice fidei cultoribus -  "Eins mit (…) allen Orthodoxen und Verehrern des katholischen und apostolischen Glaubens." (Canon Missae).
So beteten unter anderen den Kanon der heiligen Messe die heiligen Päpste Innocentius, Leo der Große, Gregorius der Große und der heilige Märtyrerpapst Martinus und viele orthodoxe katholische Generationen vor und nach ihnen.
Doch wo ist dieser katholische Glaube heute unverändert und sichtbar zu finden?
Wir bekennen ihn in den Sakramenten und in der Lehre der Gemeinschaft der orthodoxen Kirchen. Diese haben die Integrität der Glaubenshinterlage, das depositum fidei, gewahrt. Als Glieder der russisch orthodoxen Kirche dürfen wir als Benediktinermönche mit Westritus in Einheit mit der katholischen apostolischen Kirche des christlichen Ostens sein.
 Daß die Existenz unterschiedlicher Liturgien und abweichender Gebräuche der Einheit im Glauben - Wesensmerkmal der hl. orthodoxen katholischen Kirche - und dem Band der Liebe im gekreuzigten und auferstandenen Herrn, das die orthodoxen Kirchen mit- und untereinander verbindet, nicht entgegensteht, sondern vielmehr als Grundgesetz der Kirche von Anbeginn eingeschrieben ist, zeigt nicht nur das Beispiel der einen evangelischen Botschaft in den vier heiligen Evangelien, sondern die Zusammensetzung des Apostelkollegiums selbst, deren Mitglieder vom Charakter, von ihrer theologischen Schwerpunktsetzung und ihren Charismen unterschiedlicher nicht hätten sein können.
Doch der Herr hat Seine Jünger nach Seinem unergründlichen Ratschluß erwählt, mit Vollmacht ausgestattet und in die Welt gesandt. Daher wundert es nicht, daß auch die ersten apostolischen und nachapostolischen Gemeinden - von den Aposteln oder ihren Schülern gegründet - sich in ihren kirchlichen Beobachtungen und Gewohnheiten voneinander unterschieden.
So unterstreicht die legitime Vielfalt der Riten den wahrhaft katholischen Charakter der Orthodoxie. Die Unterschiede der Sprachen und Kulturen werden dabei nicht geleugnet oder eingeebnet, sondern gleichsam durch Taufe und Geistsendung mitgeweiht.
Orthodox und katholisch wird heute leider allzuoft konfessionalistisch eingeengt und dadurch mißverstanden. Im eigentlichen Sinn handelt es sich um innerkirchliche Begriffe, die zusammengehören. Wie dies zu verstehen ist, wird im neunten Kapitel unserer Ordensregel gesagt:
 
Codices autem legantur in Vigiliis divinae auctoritatis, tam Veteris Testamenti quam Novi, sed et expositiones earum, que a nominatis et orthodoxis catholicis Patribus factae sunt.
"In den Vigilien sollen aber Bücher göttlicher Autorität gelesen werden, sowohl des Alten, wie des Neuen Testamentes, aber auch ihre Auslegungen, die von anerkannten und orthodoxen katholischen Vätern gemacht sind." (RB 9, 8).
 Namhafte Väter sind die, die von allen anerkannt sind. Was als orthodox und katholisch gilt und was nicht, wurde und wird auf Kirchenversammlungen entschieden. Doch auch sie bedürfen der Anerkennung, der Rezeption durch die Ortskirchen. Insofern ist das Synodikon der Orthodoxie, das im oströmischen Ritus am ersten Sonntag in der Großen Fastenzeit verlesen wird, die lehramtliche Zusammenfassung unseres Glaubens.